Juni 1998

Auf Schloß Neuschwanstein trafen sich 89 Morganfahrer zur Erkundung der Allgäuer Alpenwelt. Ludwig II., König von Bayern, wäre begeistert gewesen. Man mag über den verrückten König denken was man will – zweifellos war er jemand, der etwas von schönen Dingen verstand. Ohne ihn hätte es in der Musik vielleicht nie einen Wagner gegeben. Und so sollte man sie im Leben zulassen, die kleinen Verrücktheiten. Die Engländer nennen es Spleen. Und vielleicht ist auch Spleen der Grund, weshalb Morgan seit 90 Jahren erfolgreich Autos baut.

Die Anhänger der Marke sind Charakterköpfe, jeder für sich ein Unikat. Genau wie die Automobile selbst. Und so mußte sich Cheforganisator Heinz Kandziora etwas Besonderes einfallen lassen für das diesjährige Morgan-Treffen in den Allgäuer Alpen. Wie durch Zufall erfuhr Heinz Kandziora, dass nicht nur Morgan, sondern auch die Käserei Champignon in diesem Jahr 90jähriges Bestehen feiert. Und so engagierte er den Allgäuer Käsehersteller als Sponsor. Aus der Allgäuer Morgan Tour wird die Allgäuer Käserallye. Statt des Tripmasters für die Gleichmäßigkeitsprüfungen müssen die Morgan-Fahrer ihrem Gaumen in Bewegung setzen. Tapfer beantworten sie Fragen nach dem Fettgehalt von gerade verkosteten Käseecken. Die Allgäuer Landschaft scheint wie geschaffen für eine Tour im offenen Morgan. Enge, schroffe Schluchten wechseln sich ab mit weiten, saftigen Wiesen. Auf kurvigen Abschnitte mit kurzen Beschleunigungsphasen folgen lange Geraden und entspanntes Dahingleiten mit üppigem Drehmoment.

Wie eine bunte Perlenschnur zieht sich die Morgan-Karawane durch die Serpentinen. Das Brutzeln der Rover-V8-Motoren und das kernige Röhren der Triumph- und Ford Kent-Vierzylinder, die allesamt im Morgan Verwendung fanden, hallen durch die engen Gassen der Straßendörfer. Die holprige Piste entlang der Almhütten strapaziert die Fahrer. Leiterrahmen mit Holzaufbau, Blattfedern und Speichenräder sind der Garant für vibrierende Sonnenbrillen und ein zitterndes Lenkrad. Auch fahrerisch ruft der Moggi, wie ihn seine Besitzer liebevoll nennen, nach einer kundigen Hand.

Am Abend folgte der Lohn der Mühen. Mit dem Preis der weitesten Anreise werden Christine und Peter Cardaun aus Norderstedt belohnt. Ebenfalls über 1000 Kilometer haben Joachim Schönfelder und seine Frau Roswitha aus Ganderkeesee bei Oldenburg zurückgelegt. Beide waren mehr als 13 Stunden unterwegs, weil sie auf der Anreise „bei dieser Gelegenheit“ noch die Tour des letztjährigen Morgan-Treffens abfahren wollten. Morgan-Fahrer sind eben anders.


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